Nach oben Made with Xara „Im Anfang war das Wort“ Joh.1,1: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort” Ein Ausleger schreibt zu den ersten Worten des Johannesevangeliums: “Die Sätze sind schlichtes Griechisch und gleichzeitig von geheimnisvoller, unauslotbarer Tiefe. Sie sind knapp, rhythmisch und fast psalmartig poetisch, aber doch nicht so, dass sie nicht auch ausführliche Erklärungen zuließen.” So einfach die Sätze bei Johannes sprachlich auch gehalten sind, so gehaltvoll sind sie dennoch. Das ist typisch für den Evangelisten Johannes: Er bevorzugt eine ‘kinderleichte‘  Sprache und offenbart zugleich tief- gründige  Gedanken! Johannes beschreibt hier zunächst einen geheimnisvollen Anfang;  im Griechischen „Archä“ (Unser Wort „Archäologe“ ist davon abgeleitet). Überraschenderweise bemüht er sich nicht einmal, diesen Ausdruck zu erklären. Welchen Anfang meint er? Den Anfang Israels? Den Anfang Roms? Er redet so einfach vom “Anfang” und kann damit nur den Anfang schlechthin meinen, wie er im Alten Testament beschrieben wird: “Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“  (1.Mo.1,1). Johannes nimmt uns also mit zu dem Zeitpunkt, als das gesamte Universum, einschließlich unseres  Sonnensystems und unserer Erde, geschaffen wurden aus dem Nichts. Hier fügt er kommentarlos ein: Da gab es schon dieses „Wort”. Es existierte bereits zu einer Zeit, als es strenggenommen noch gar keine Zeit gab. Da war ‚es‘ schon da! Da war Er schon da: Jesus, der Christus. Jesus war nicht nur bei Gott, Jesus war selber im vollen Umfang Gott. Seine Existenz fing nicht erst in Bethlehem an. Das ist ein großes, kaum fassbares Geheimnis, das jemand einmal so beschrieben hat:  „Jesus hat nicht einen Anfang, er ist der Anfang aller Dinge“. Warum sagt Johannes das nicht einfach direkter und spricht über Jesus? Weil die Gebildeten seiner Generation diese rhetorisch niveauvolle Anspielung sehr gut verstanden! Das war ihre akademische Sprache. Über das griechische  Wort „Logos“ grübelten die alten Philosophen seit Jahrhunderten nach. Das war so ein stehender Begriff bei den gebildeten Weisen und lag mit Gott auf einer Stufe (wobei dieses „Logos“ nicht unbedingt als Person gedacht war). Es  war das, was die Dinge geheimnisvoll lenkte und  die Naturgesetze formte. Mit Goethes Faust gesagt: Es war für die klugen Köpfe dieser Zeit das, „was die Welt im Innersten zusammenhält!” Das „Wort“ (Logos) ist  bei  Johannes hier aber ganz klar ein “Er”, eine Person: Jesus Christus;  ohne Einschränkung Gott in allem gleich. Wer Weihnachten wirklich verstehen will, der muss diese Sichtweise einnehmen: Das kleine Kind im Stall von Bethlehem, der Jugendliche unter Josephs Obhut, der Erwachsene auf dem Weg nach Golgatha, der Auferstandene vor seiner Himmelfahrt, diese Zeitabschnitte in der Biographie von Jesus sind immer nur ein Teilausschnitt von etwas viel Größerem, weil es um einen viel Größeren geht. Jesu irdisches Leben  war nur ein Zwischenstopp auf Zeit! Dort in der Krippe lag in Bethlehem der Mitschöpfer dieser Welt, der seine Ehrenstellung vor Gott aufgab für uns. Nur wer das verstanden hat, der bekommt eine kleine Ahnung davon, was wir feiern in den kommenden Advents- und  Weihnachtstagen: Ein unglaubliches Wunder. Die Kernbotschaft dabei lautet: Jesus hat sich sehr tief zu uns herabgeneigt! Es passierte in einem Zug, der nach London fuhr: In einem bequemen Abteil erster Klasse stand ein großer junger Mann auf und drängte sich durch den überfüllten Gang. Dort sah er eine Frau, die offensichtlich sehr erschöpft war. Müde schwankte sie im Stehen hin und her. Jede Bewegung des Zuges ließ sie mal hierhin, mal dorthin wanken. Der junge Mann ging auf sie zu. „Bitte, nehmen Sie meinen Platz!“, bot er freundlich an.  „Ich darf nicht“, entgegnete sie: „Ich habe nur eine Fahrkarte für die 3. Klasse!“ Er bestand darauf: „Nehmen Sie dann meine Fahrkarte für die 1. Klasse und ich nehme ihre Karte und suche mir im nächsten Wagen einen Platz!“ Jetzt nahm die erschöpfte Frau gerne an. Sie tauschten die Fahrkarten und der Kavalier verschwand durch den Gang. Sie hatte ihn nicht erkannt. Der junge Mann war der damals erst 19jährige Prinz Charles, Kronprinz von England. Was für ein königlicher Tausch:  Die Fahrkarte der 1. Klasse eingewechselt gegen eine der 3. Klasse. So einen Tausch hat Jesus auch gemacht. Er gab seinen Himmelsplatz auf, damit wir eines Tages unseren Platz im Himmel einnehmen können. Wie es ein alter Liederdichter sagt: Entäußert* sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering nimmt an sich eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding, der Schöpfer aller Ding. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel sein! Wie könnt es doch sein freundlicher, Jesus, das Kindelein, Jesus, das Kindelein Gottes Segen wünscht Karsten Hinz * = wörtlich in der Bibel (Phil.2,6): „sich leer machen“ (Sich zu einem Nichts, sich zu einem Niemand machen)