Nach oben Made with Xara „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15—Jahreslsosung 2019) Kann man Frieden hinterherjagen, sozusagen „Friedensjäger“ sein? Irgendwie reibe ich mich innerlich an dieser sperrigen Formulierung! Als Ute, meine Frau, auf der Suche war nach einem Poster für den Eingangsbereich des Gemeindehauses, da schickte sie mir einige Bilder zu, um nach meiner Meinung zu fragen. Da gab es idyllische Zeichnungen mit Blumen und Schmetterling; zwei Mädchen im Vorschulalter mit Schleifenbändern im Haar , die sich innig umarmten; eine pastellfarbene weizenkornartige Frucht, auf den einzelnen Körnern das Wort „Friede“ in verschiedenen Sprachen; ein Foto mit einer weiten Landschaft mit romantischen Heißluftballons und einem Gebirge im Hintergrund; ein gezeichneter Händedruck, dessen Hintergrund die Form eines Kreuzes bildet... Irgendwie waren alle schön auf ihre Art, aber treffen sie auch diese Aufforderung? „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15). Das empfinde ich spontan fast als unvereinbar! Wie kann ich so etwas wie Frieden dynamisch nachjagen, mich sozusagen beeilen, um ihn finden? Ein Poster sprach mich auf einmal an beim Stöbern im Internet. Hier war jemand im vollen Lauf und hielt behutsam ein Pflänzchen in seinen Händen. Die Szene wirkt fast skurril, ein wenig unpassend. Aber unser Läufer bringt beide Ebenen zusammen: Das Zarte, das Zeit braucht, das wachsen will. Und dieses kraftvolle Sich-Beeilen, das sich (aus-)streckt nach dem Shalom! So oft ich nun schon in den letzten Jahren über diesen Shalom-Frieden nachgedacht habe, ich werde immer unsicherer, ob ich seinem Geheimnis wirklich auf die Spur gekommen bin. Er ist so vielschichtig, dass das deutsche Wort „Frieden“ viel zu kurz greift und dem Shalom Gottes nicht gerecht werden kann. In der Grundbedeutung ist es ein Heilwerden (nach vorherigem Kaputtsein); auch ein inneres Wohlbefinden, das in Richtung Zufriedenheit geht. Shalom kann auch eine äußere oder innere Ordnung sein, bei der die einzelnen Lebensbereiche sozusagen am richtigen Platz sind und den Stellenwert haben, der ihnen zusteht (oder aber auch nicht zusteht!). Friede ist auch das, was wirklich gut für uns ist - objektiv gut, vielleicht auch gegen das eigene Gefühl und Empfinden. Noch besser gefällt mir aber der Ansatz, dass Shalom gesunde Beziehungen umschreibt: Ich lebe im Einklang mit Gott, mit mir und mit meinen Mitmenschen (so weit letztere mitspielen und es ihrerseits nicht unmöglich machen). Dieses Shalom-Pflänzchen, das unser Läufer auf dem Poster eilig vor sich herträgt, ist also eine äußerst vielseitiges ‚Gewächs‘, dessen kraftvolles Geheimnis wir wohl nie so ganz ergründen können. Lasst uns Friedensjäger sein im Jahr 2019 und darauf aus sein, den Shalom- Frieden für uns zu haben und gleichzeitig „Friedensstifter“ zu sein (Matth.5,9 / Jak. 3,18). Gottes Segen und ein friedvolles 2019 wünscht Karsten Hinz